LEMBACH. Welche Chancen hat der ländliche Raum? Wie kommt das Neue ins Land? Darüber diskutieren am Freitag, 22. Jänner, unter anderem Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, Johanna Rachinger (Direktorin der Nationalbibliothek), der Literat Reinhold Aumayr und Alexandra Föderl-Schmid (Chefredakteurin, Der Standard) in der Alfons-Dorfner-Halle in Lembach. Ausgangspunkt der Debatte ist ein Referat von Gerlind Weber, Professorin an der Universität für Bodenkultur Wien. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr.
Gerlind Weber, eine gebürtige Unteracherin, gilt als anerkannte Expertin, was den ländlichen Raum betrifft. Ihre fachlichen Schwerpunkte liegen auf Raumordnungspolitik, Nachhaltiger Raumentwicklung, Entwicklung ländlicher Räume und Bodenpolitik. Die Wissenschaftlerin ist Mitglied des Club of Vienna und Präsidentin des Ökosozialen Forums Wien. „In ihrem Referat am 22. Jänner wird sie mit einigen Mythen aufräumen“, verspricht Josef Eibl vom KultURsprung, der als Veranstalter des spannenden Abends auftritt.
Ländlicher Raum ist außerargrarisch geprägt
Noch immer meinen viele, dass ländlich mit landwirtschaftlich gleichzusetzen sei. Tatsache aber ist, dass die Agrarquote im ländlichen Raum nicht einmal mehr vier Prozent der regionalen Wertschöpfung beträgt. „Die Entwicklung des ländlichen Raums ist von außerargrarischen Bedingungen bestimmt“, sagt Weber. Der ländliche Raum ist auch alles andere als ein homogener Raumtyp. Die Palette reicht von stadtnah über touristisch geprägt bis hin zu abgelegen und strukturschwach. Auch als Gegenteil zur Stadt hat der ländliche Raum längst ausgedient. „Durch Mobilität, Wirtschaft, Kultur und Medien ist es zu einer zunehmenden Durchdringung der Räume gekommen“, betont Weber, die kritisiert, dass falsche Klischees wie naturnah oder bodenständig lediglich den Blick auf die Wirklichkeit verstellen. „Das Selbstverständnis und das Image ländlich geprägter Räume ist neu, jung und zukunftsorientiert zu bestimmen.“
Der KultURsprung, der die Veranstaltung „Mythos Land“ organisiert, versteht sich als regionales Kulturnetzwerk der Agenda 21-Gemeinden Lembach, Hörbich, Niederkappel und Putzleinsdorf. Zu den Protagonisten zählen neben Josef Eibl auch noch Karl Lindorfer, Johann Lindorfer und Bernhard Baumüller sowie die Kulturauschussmitglieder der einzelnen Gemeinden. Finanziell unterstützt wird die Veranstaltung unter anderem von der OÖ. Akademie für Umwelt und Natur (UAK), bei der die Leitstelle der Agenda 21 angesiedelt ist. Deren Leiter, Günther Humer, begründet das Engagement der UAK so: „Die Agenda 21 spielt für den ländlichen Raum eine wesentliche Rolle. Sie erschließt Chancen und Perspektiven in Richtung Zukunft. Sie aktiviert die Menschen des ländlichen Raums und zeigt Wege auf, mögliche Defizite zu beseitigen und Stärken auszubauen.“
Bildtext 1: Hauptreferentin Gerlind Weber von der Universität für Bodenkultur Wien räumt mit dem Mythos Land auf.
(Foto: privat/honorarfrei)
Bildtext 2: Ist der ländliche Raum wirklich bodenständig, naturnah und solide? (Foto: Kultursprung/honorarfrei)
Was ist Agenda 21?
Das Land Oberösterreich unterstützt mit dem Schwerpunkt Agenda 21 die Umsetzung von Zukunftsprozessen in Gemeinden und Regionen. Ziel ist die Sicherung und Verbesserung lokaler Lebensqualitäten für gegenwärtige und künftige Generationen. Bereits 100 oberösterreichische Gemeinden haben Agenda 21-Prozesse gestartet. Agenda 21 setzt auf Bürger/innenbeteiligung, Praxisnähe, Langfristigkeit, Überschaubarkeit, Ganzheitlichkeit und Partnerschaftlichkeit. Die Agenda 21 wurde im Jahr 1992 bei der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro als weltweites Programm für einen Kurswechsel in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung formuliert. Agenda kommt aus dem Lateinischen und meint „Was ist zu tun?“, 21 steht für ein lebenswertes 21. Jahrhundert.
Letzte Änderung dieser Seite: 20.07.2010
© Amt der oberösterreichischen Landesregierung
Impressum