In Oberösterreich haben bisher mehr als 90 Gemeinden einen Agenda 21-Prozess gestartet. In der Region der Inn-Salzach Euregio/Regionalmanagement Innviertel-Hausruck gibt es noch viele weiße Flecken. Jene 14 Gemeinden allerdings, die bei der Agenda 21 dabei sind, zeigen sich äußerst aktiv und legen ihre Schwerpunkte auf die Schätze der Natur.
„Die Gemeinden der Inn-Salzach Euregio sind ungemein engagiert“, sagt der Rieder Bürgermeister Albert Ortig, Vorsitzender der Inn-Salzach Euregio/Regionalmanagement Innviertel-Hausruck, zu der 140 Gemeinden gehören. „Sie nutzen sehr rege die verschiedenen Initiativen des Landes, um die Region weiterzuentwickeln.“ Ortig spricht unter anderem Dorferneuerung, Gesunde Gemeinde, Klimabündnis oder das umfangreiche Leader-Programm an. „Dennoch werden wir uns bemühen, dass der Anteil von Agenda 21-Gemeinden auch in unserer Region steigt“, sagt Ortig. „Durch die Zusammenarbeit mit der Regionalmanagement Oberösterreich GmbH können wir den Gemeinden professionelle Dienstleistungen anbieten, um Projekte zu entwickeln und umzusetzen.“
Neben dem aus fünf Kommunen bestehenden Gemeindenetzwerk Kobernaußerwald gehören folgende 14 Gemeinden der Region Innviertel-Hausruck zum oberösterreichischen Agenda 21-Netzwerk:
Mit der Gemeinde Natternbach im Bezirk Grieskirchen steht eine weitere Gemeinde in den Startlöchern. „Dort gibt es bereits einen positiven Gemeinderatsbeschluss“, sagt DI Günther Humer von der Agenda 21-Leitstelle, die an der Oö. Akademie für Umwelt und Natur angesiedelt ist.
Das Land Oberösterreich lässt nichts unversucht, um noch mehr Gemeinden für die Agenda 21 zu begeistern. „Als besonderer Anreiz wurden neben der Unterstützung durch eine neue Info-Kampagne und der Installierung von fünf dezentralen Regionalmanager/innen für Nachhaltigkeit und Umwelt auch noch bessere Förderbedingungen geschaffen“, betont Humer. Einzelgemeinden werden statt mit 60 Prozent ab sofort mit 75 Prozent (maximal: 17.500 Euro) der Kosten für die professionelle Prozessbegleitung gefördert. Gemeindenetzwerke kommen ebenfalls in den Genuss einer 75-Prozent-Förderung (maximal: 19.500 Euro). Für finanzschwache Kleingemeinden bis 1.000 Einwohner kann sich der Förderanteil sogar auf 85 Prozent erhöhen. Durch einen von der Einwohner/innenzahl abhängigen Zuschlag profitieren auch Kleinstädte und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohner/innen. „Damit sollen vermehrt auch Städte motiviert werden, Agenda 21-Prozesse zu initiieren“, sagt Humer. Die Gewährung des Zuschlags ist an den Beschluss und die Umsetzung der Aalborg Commitments in Verbindung mit dem Agenda 21-Prozess gebunden. Die maximale Förderhöhe liegt bei 30.000 Euro.
Was die Agenda 21 bewirken kann, zeigen gleich mehrere eindrucksvolle Projekte aus der Region Innviertel-Hausruck. „Unsere Gemeinden legen ihre Schwerpunkte auf die Schätze der Natur“, sagt der Regionalmanager für Nachhaltigkeit und Umwelt, Gerhard Wipplinger. Als Beispiele nennt er die Naturschule St. Veit im Innkreis, den Klostergarten in Maria Schmolln, das Wassererlebnis Minidonau in Engelhartszell und die Initiative „Landobstland“ in Kirchheim im Innkreis.
Der beschauliche 405-Seelen-Ort St. Veit im Innkreis hat sich innerhalb weniger Jahre zur ökologischen Modellgemeinde in Oberösterreich entwickelt. Hauptverantwortlich für den Aufschwung war ein Prozess, der im Jahr 2000 in Gang gesetzt worden ist. Mittlerweile ist St. Veit im Innkreis als zweimaliger Gewinner des Oö. Landespreises für Umwelt und Natur weit über die Braunauer Bezirksgrenzen hinaus ein Begriff. Eines der Aushängeschilder ist die in der einklassigen Volksschule untergebrachte „Naturschule“. In ihr wird nicht nur gelehrt, wie man hochwertige Produkte herstellt, sondern es wird auch ein Einblick in die Zusammenhänge der Natur gegeben. Die Naturschule St. Veit in Innkreis kooperiert mit dem Ländlichen Fortbildungsinstitut und der Volkshochschule und bietet zertifizierte Lehrgänge im Rahmen der Erwachsenenbildung an. Dass in St. Veit im Innkreis die Gestaltungsmaßnahmen mit Mitteln in und aus der Natur vorgenommen worden sind, merkt man an jeder Ecke: Heckenlehrpfad, Kneippzone, Kräutergarten, Rosengarten oder Weidenskulpturen dienen als Beleg dafür.
Der im August 2004 eröffnete Klostergarten Maria Schmolln ist für Besucher/innen von Mai bis Oktober zugänglich. Das Herzstück bildet der liebevoll und gut strukturiert angelegte Heilkräutergarten, dessen Beete nach Verwendung der Kräuter gegliedert und mit Tontafeln beschriftet sind. Bei den Führungen erfährt man neben Anwendungsmöglichkeiten auch viele interessante Geschichten zu den Heilpflanzen. Spezialitäten aus dem Kräutergarten für Leib und Seele, Honig und andere Bienenprodukte sowie Bücher und nette Mitbringsel sind im Verkaufspavillon erhältlich. Die Voraussetzung zur Realisierung der Projektidee hat der Agenda 21-Prozess der Gemeinde Maria Schmolln geschaffen.
In Engelhartszell wird die Donau, der größte Fluss Mitteleuropas, auf innovative und einzigartige Weise erlebbar gemacht. Sechs Abschnitte – vom Ursprung bis zur Mündung der Donau – sind als interaktive Spielbereiche gestaltet und geben Einblick und Information über Flussdynamik, Landschaft und Leben am Fluss: Donauursprung, Gebirgsfluss Inn, Schlögener Schlinge, Beckenlandschaft, Eisernes Tor und Donaudelta. Die „Mini-Donau“ wurde nach den Kriterien der nachhaltigen Umweltbildung angelegt. Leitmotive sind das Erleben des Elements Wasser und das selbstständige Gestalten einer Flusslandschaft. Ein Sinnesgarten beinhaltet einen Kräutergarten, einen Schaugarten für alte Obstsorten, einen Weingarten und einen kleinen Kneippbach.
Hinter schelmisch klingenden Namen wie „Springginkerl“ oder „Schlawiner“ verbergen sich Moste und Säfte der „Inn-Salzach-Obstinitiative“. Die bereits 2001 gegründete Initiative hat sich mit ihrer Marke „Landobstland“ der Erhaltung und Förderung heimischer Streuobstbestände verschrieben. Seitdem arbeiten die Protagonist/innen an der Qualitätsverbesserung und Vermarktung der regionalen Obstprodukte. Zusammen mit Fachleuten, Berater/innen und Landwirtschaftsschulen wurde ein System geschaffen, das höchste Produktqualität gewährleistet. Kirchheim im Innkreis ist aber nicht nur ein wesentlicher Teil des Landobstlandes, sondern auch Kulturdorf. Als einzige Gemeinde Österreichs gehört das 700 Einwohner/innen zählende Dorf der „Foundation of cultural villages of Europe“ an. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Förderung des kulturellen Austausches ein. So wird jedes Jahr eines der zwölf Dörfer zum „Kulturellen Dorf Europas“ ausgerufen. Im Jahr 2010 ist Kirchheim im Innkreis an der Reihe. Eine weitere bemerkenswerte Initiative ist „Land lebt auf“, ein Projekt von Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Pfeiffer-Gruppe, das in Kooperation mit der Gemeinde einen neuen Nahversorger nach Kirchheim im Innkreis brachte.
Regionalmanager Gerhard Wipplinger hat sich für die Zukunft große Ziele gesetzt. Er möchte nicht nur Gemeinden zu Agenda 21-Prozessen animieren, sondern auch Pfarren: „Mein Wunsch ist es, in unserer Region eine Pfarr-Agenda nach dem Vorbild von Sattledt zu starten.“ Dort wurde vor zwei Jahren unter hoher Bürger/innenbeteiligung ein Prozess in Gang gesetzt, der sich für alle gelohnt hat. „In Sattledt sind viele Projekte entstanden, die sicherlich auch für die eine oder andere Pfarre aus unserer Region interessant sein könnten“, sagt Wipplinger. „Agenda 21 in Pfarren ist ein neuer und motivierender Zugang zugleich. Es können zum einen Menschen aktiviert werden, die politisch nicht so aktiv sind und zum anderen ‚weiche Themen’ wie Lebensqualität oder Soziales aufs Tapet gebracht werden.“
Die 1992 beim Erdgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro von 178 Staaten unterzeichnete Agenda 21 versteht sich als umfassendes Aktionsprogramm für den Übergang ins 21. Jahrhundert und gibt damit Leitlinien für eine Nachhaltige Entwicklung vor. Als wesentlich wird in der Agenda 21 die Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Kräften – Bürger/innen, Unternehmer/innen und Interessensgruppen – gesehen. Die Partizipation der Öffentlichkeit auf breiter Ebene, eine aktive Einbindung von Nicht-Regierungs-Organisationen und anderen Gruppen und damit ein breiter Konsens über die Ziele vor Ort, sowie die Bewusstseinsbildung für eine Nachhaltige Entwicklung sollen gefördert werden. Besonders wird auf die Bedeutung der Kommunen für diese Ziele hingewiesen: Sie verwalten und unterhalten die wirtschaftliche, soziale und ökologische Infrastruktur, überwachen Planungsabläufe und wirken über die kommunale Umwelt- und Siedlungspolitik an der Umsetzung der nationalen und regionalen Umwelt- und Raumordnungspolitik mit.
Den Beginn der Agenda 21 in Oberösterreich markiert das Jahr 1997, als die Oö. Akademie für Umwelt und Natur ein Konzept für die Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung auf lokaler Ebene erarbeitete. Schon ein Jahr später, 1998, wurden die ersten Agenda 21-Prozesse in den Pilotgemeinden Burgkirchen, Schlägl, Steinbach an der Steyr und Wilhering gestartet. Mittlerweile gehören mehr als 90 von insgesamt 444 oberösterreichischen Gemeinden zum Agenda 21-Netzwerk.
Christa Oberfichtner
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Letzte Änderung dieser Seite: 18.05.2012
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