KIRCHHEIM IM INNKREIS. In kaum einer Gemeinde funktioniert die Beteiligung der Bevölkerung so gut wie in der Agenda 21-Gemeinde Kirchheim. „Von Kirchheim kann man lernen“, ist auch Bürgermeister Hans Hartl überzeugt. Die Innviertler Gemeinde ist eines von zwölf europäischen und einziges österreichisches Mitglied der Vereinigung „Kulturdörfer Europas“. 2010 hat Kirchheim doppelten Grund zu feiern: Die Gemeinde ist Kulturdorf Europas und wird 900 Jahre alt.
Kirchheim ist in allen zwölf europäischen Kulturdörfern bekannt für seine Innovationen und seine Bevölkerungsbeteiligung. Ein Beleg dafür ist die Nahversorgung mit „Land lebt auf“. Die Innviertler Gemeinde war die dritte Gemeinde mit dieser Kombination aus Nahversorgung, Tankstelle, Poststelle, Lotto, Toto, Café, Kleiderreinigung und vielem mehr. Jedoch die erste bei der es dazu einen Prozess zur Bevölkerungsbeteiligung gab. „Wir veranstalten immer wieder Dorfabende bei denen die Bevölkerung gefragt und eingebunden wird“, sagt Hartl. Durch die Beteiligung ist die Akzeptanz von „Land lebt auf“ in der Kirchheimer Bevölkerung sehr hoch. „Nach meiner Information ist Kirchheim der am besten funktionierende Land-lebt-auf-Standort“, sagt der Bürgermeister. Zusätzlich zum normalen Angebot gibt es ein „Lokale Produkte-Regal“. Darin finden sich sowohl Produkte aus der Gemeinde und der Region als auch solche aus anderen europäischen Kulturdörfern. In einem nächsten Schritt sollen europäische Geschenkkörbe entstehen.
„Land lebt auf“ ist ein Teil des Projektes „Work in the Village“ oder „Arbeiten auf dem Lande“, das von allen zwölf europäischen Kulturdörfern verfolgt wird. Gemeinsam haben sie sich zum Ziel gesetzt, die Bedeutung der ländlichen Siedlungen verstärkt in den Vordergrund zu rücken. Zur Förderung des kulturellen Austauschs ist jede der zwölf Gemeinden für ein Jahr Gastgeber der anderen europäischen Kulturdörfer. 2010 ist Kirchheim an der Reihe. Am Programm stehen unter anderem ein Jugendcamp mit rund 50 Jugendlichen aus den anderen Mitgliedsdörfern, Besuche von Delegationen aus den anderen europäischen Kulturdörfern (jeweils 30 bis 50 Personen), ein Europatag des Oö. Gemeindebundes, Gartentage, der Europäische Obstbautag und natürlich die 900-Jahr-Feier von Kirchheim.
Kirchheim macht als Gastgeber den Abschluss der zwölf europäischen Kulturdörfer. „Zu Jahresende 2010 wird bei uns die Zukunftskonferenz der Kulturdörfer stattfinden“, sagt Bürgermeister Hartl. Seine Gemeinde hat die Aufgabe, die Idee der europäischen Kulturdörfer weiterzuentwickeln. Auch dafür wird die Bevölkerung mit ins Boot geholt. – Wie schon bei der Initiierung. „Es geht von unten nach oben“, erklärt Hartl. „Wir haben gesagt, wir wollen europäisches Kulturdorf werden – das wurde uns nicht von oben aufgedrückt.“
Bis die Innviertler Gemeinde 2010 die Gastgeberrolle übernimmt, gilt es noch viele Herausforderungen zu meistern: Von der Unterkunft und der Betreuung der Gäste bis zu einem Kostenplan und dem entsprechenden Personal. Doch auch das wird man dank der funktionierenden Beteiligung der Bevölkerung mit Bravour meistern.
Infobox: Was ist Agenda 21? Die Agenda 21 wurde im Jahr 1992 bei der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro als weltweites Programm für einen Kurswechsel in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung formuliert. Wertepolitik statt Sachpolitik lautet die Devise. Agenda kommt aus dem Lateinischen und meint „Was zu tun ist“, 21 steht für ein lebenswertes 21. Jahrhundert. In Oberösterreich haben bereits mehr als 90 Gemeinden Agenda 21-Prozesse gestartet. |
Letzte Änderung dieser Seite: 18.05.2012
© Amt der oberösterreichischen Landesregierung
Impressum