WEYER (Kleinreifling). Tatsache ist, dass der 790 Einwohner/innen zählende Weyerer Ortsteil Kleinreifling enormes Potenzial hat. Die 19 eingetragenen Vereine – von der Feuerwehr über den Fußballklub bis hin zum Heimat- und Trachtenverein – sprechen Bände. Tatsache ist aber auch, dass eine der sonnigsten Gegenden Österreichs von Abwanderung und Überalterung betroffen ist. Weil es überhaupt nicht die Art der Kleinreiflinger/innen ist, deswegen im Tal der Tränen zu versinken, haben sie kürzlich einen Agenda 21-Prozess in Angriff genommen.
„Das Interesse daran, die Weiterentwicklung von Kleinreifling selbst in die Hand zu nehmen, ist enorm“, zeigt sich der Weyerer Bürgermeister Gerhard Klaffner begeistert. Schon zur Agenda 21-Auftaktveranstaltung kamen 70 Menschen in das Pfarrheim, um sich aktiv an der Zukunftswerkstätte zu beteiligen. Männer, Frauen, Junge, Alte, Pendler/innen, Landwirte/innen – es gab eine gute und ausgewogene Durchmischung.
Pfarrheim als Treffpunkt
Das Pfarrheim wurde als Veranstaltungsort gewählt, denn die weitere Entwicklung dieses Gebäudes wird neben vielen anderen Themen im Agenda 21-Prozess mitdiskutiert. Eine eigene Arbeitsgruppe erörtert zusammen mit der Pfarre und der Bevölkerung die Bedürfnisse sowie die Möglichkeit der Nutzung als Dorfzentrum.
Daneben haben sich bei der Zukunftswerkstätte, bei der die Kleinreiflinger/innen mit großem Engagement dabei waren, drei weitere große Themen herauskristallisiert: Tourismus, Landwirtschaft und soziale Lebensqualität. So hegen große Teile der Bevölkerung den Wunsch, das ehemalige Skigebiet „Bodenwies – Viehtaleralm“ zu reaktivieren. „Eine Umsetzung der Idee ist alles andere als einfach“, sagt der Bürgermeister. „Aber wir werden nichts unversucht lassen, um gemeinsam eine gute Lösung zu finden.“ Das Gebiet „Bodenwies – Viehtaleralm“, eine der exklusivsten Erhebungen in Oberösterreich, gilt nicht zuletzt unter Skitourengeher/innen als absoluter Geheimtipp.
Was die Landwirtschaft betrifft, so will man sich im Zuge des Agenda 21-Prozesses verstärkt mit dem Thema Holz auseinandersetzen. 84 Prozent des Gemeindegebietes von Weyer bestehen aus Wald. Was liegt also näher, als in diesem Bereich über bessere Veredelung und optimierte Verkaufsstrategien nachzudenken? Und schließlich hat sich bei der Auftaktveranstaltung, die im Übrigen mit einer beeindruckenden Ausstellung über das Kleinreiflinger Vereinsleben bereichert wurde, als vierter Schwerpunkt die „soziale Lebensqualität“ gebildet. Hier geht’s um kleinere Projekte wie zum Beispiel die Gründung von Einkaufsgemeinschaften für immobile Senioren/innen.
„Chance für etwas Neues“
„Für alle vier Projekte sind Arbeitsgruppen eingesetzt worden“, sagt Andreas Kupfer, Geschäftsführer des Instituts für Angewandte Umweltbildung (IFAU) in Steyr und Begleiter des Agenda 21-Prozesses in Kleinreifling. Die Ergebnisse werden Ende Juni präsentiert. Kupfer ist davon überzeugt, dass es gute Ergebnisse sein werden. Denn auch er ist vom Engagement in Kleinreifling angetan. „Die Menschen sind sich der Problemlage ganz klar bewusst und sie setzen große Hoffnungen in die Agenda 21.“ Und Bürgermeister Gerhard Klaffner ergänzt: „Abwanderung und Geburtenrückgang sind keine schöne Sachen, aber wir begreifen diese Entwicklungen auch als Chance für etwas Neues!“
Letzte Änderung dieser Seite: 18.05.2012
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