Mehr als 90 oberösterreichische Gemeinden haben sich bisher dazu entschlossen, einen Agenda 21-Prozess zu starten bzw. durchzuführen. Den Löwenanteil macht dabei das Mühlviertel aus. Insgesamt sind 51 Gemeinden – darunter drei Regionen und vier Netzwerke – in die Agenda 21 involviert.
„Das Mühlviertel hat sich in Bezug auf die Agenda 21 als echte Vorzeigeregion etabliert“, sagt Gabriele Lackner-Strauss, Obfrau der EUREGIO Bayerischer Wald/Böhmerwald und Vorsitzende des Regionalmanagements Mühlviertel. Die Abgeordnete zum Oö. Landtag ist stolz auf die zahlreichen Aktivitäten, die sich vom HansBergLand über Eidenberg und Gutau bis nach St. Georgen am Walde erstrecken. „Es ist unglaublich aufbauend, wenn man sieht, wie die Bürger/innen in ihren unmittelbaren Lebensräumen Perspektiven entwickeln, die weit über das hinausgehen, was man ohnehin schon kennt.“
Immer wieder gibt es Leute, die das Mühlviertel mit düsteren wirtschaftlichen Prognosen konfrontieren. „Doch wenn ich mir die vielen kreativen Köpfe und das enorme Potenzial, das in ihnen schlummert, vorstelle, dann bin ich genau vom Gegenteil überzeugt“, sagt Lackner-Strauss. „Das Mühlviertel hat eine rosige Zukunft vor sich und die Agenda 21 wirkt dabei als Verstärker.“
Insgesamt sind von den 122 Mühlviertler Gemeinden bereits 51 in einen Agenda 21-Prozess involviert. Der Anteil der Agenda 21-Gemeinden beträgt somit 42 Prozent. Ein Wert, der oberösterreichweit eindeutig spitze ist. Daneben sind mit dem HansBergLand, dem Gusental und der Mühlviertler Alm drei Regionen organisiert, denen Nachhaltigkeit eine Herzensangelegenheit ist. Und schließlich gibt es noch folgende vier Gemeindenetzwerke:
„Älteste“ Agenda 21-Gemeinde ist Schlägl, welche 1998 gemeinsam mit Burgkirchen, Steinbach an der Steyr und Wilhering zu den Pionieren in Oberösterreich zählte. Die jüngsten Agenda 21-Kinder sind Baumgartenberg, Saxen und Ottensheim. Mit 415 Einwohner/innen ist Hörbich die kleinste und mit 7.457 Einwohner/innen ist Freistadt die größte Agenda 21-Stadtgemeinde im Mühlviertel.
Als besonders aktive Gemeinden im Bezirk Freistadt haben sich Gutau (Stichwort: „Gutau taugt guat“), Lasberg (Stichwort: Energiegruppe, Leitbildmesse) und die Region Mühlviertler Alm hervorgetan.
Im Bezirk Rohrbach hat das große Engagement von Bezirkshauptfrau Dr.in Wilbirg Mitterlehner eine wahre Beitrittswelle ausgelöst. Allein von den 15 Gemeinden, die weniger als 1.000 Einwohner/innen haben, befinden sich elf im Agenda 21-Prozess.
Als aktivste Gemeinde im Bezirk Urfahr-Umgebung kann Eidenberg bezeichnet werden, das seit mittlerweile acht Jahren im Agenda 21-Geschehen dabei ist und mit dem Projekt „S’Gschäft in Eidenberg“ für Furore gesorgt hat. Betreiber des Nahversorgers ist mit dem DienstLeistungsService Eidenberg ein Verein. Dies ist ein sogar österreichweit einzigartiges Modell. Der Bezirk Urfahr-Umgebung ist der beste Beweis dafür, dass politische Grenzen fließend sind. So ist Herzogsdorf im mehrheitlich von Rohrbacher Gemeinden dominierten HansBergLand organisiert, im Gegenzug gehört die Freistädter Gemeinde Unterweitersdorf der Urfahrer Region Gusental an.
Mit nur zwei wirklich aktiven Gemeinden ist der Bezirk Perg, was die Agenda 21 betrifft, so etwas wie der Nachzügler im Mühlviertel.
„Das Mühlviertel hat sich zu einer Vorzeigeregion in punkto Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und BürgerInnenbeteiligung entwickelt“, sagt die Regionalmanagerin für Nachhaltigkeit und Umwelt, Mag.a Karin Traxler. „Die Agenda 21 ist eine wesentliche Säule, auf die sich die Nachhaltige Entwicklung des Mühlviertels stützt.“ Doch darauf will sich Traxler nicht ausruhen: „Im Bezirk Perg gibt es noch großes Potenzial, um das Agenda 21-Netzwerk im Mühlviertel noch engmaschiger werden zu lassen“, ist sie überzeugt. Perspektiven schaffen, den Wegzug stoppen, die Lebensqualität und die Arbeitsplätze erhalten oder sogar ausbauen – für all diese hohen Ziele kann die Agenda 21 ein wertvolles Instrument sein. „Agenda 21-Prozesse sind Impulsgeber für Innovationen“, sagt Traxler.
Ein Beispiel für einen solchen Impulsgeber ist das Gemeindenetzwerk Hofkirchen, Neustift, Pfarrkirchen, Oberkappel. Die vier Gemeinden aus dem Bezirk Rohrbach haben 2006 mit Agenda 21-Prozessen gestartet und arbeiten seit November vergangenen Jahres im Gemeindenetzwerk zusammen. Ein konkretes Projekt, das daraus bereits entstanden ist, ist die „Kraftquelle Labyrinth“ mit Schwerpunkt in der Gemeinde Hofkirchen im Mühlkreis. Gemeinsam mit den drei anderen Gemeinden soll eine Themenlandschaft zum Ökotourismus entstehen. Das Labyrinth ist ein Symbol für „Wir gehen nicht im Kreis, wir finden zur Mitte“. Unter diesem Motto sind Schwerpunkte in der Natur, Gestaltungselemente im Ort, die Wiederbelebung von Teilen des Ortskernes und sozial/kulturelle Angebote geplant. Für die Schwerpunkte in der Natur sollen drei bis vier begehbare Labyrinthe in unterschiedlicher Form entstehen. Die sozial/kulturellen Angebote werden von Seminaren über Wanderungen bis hin zu Konzerten reichen. Die Verantwortlichen wollen, dass mit dem Projekt das „Miteinander“ in der Gemeinde gestärkt und Tagesgäste sowie Naherholungssuchende angezogen werden.
Das Land Oberösterreich lässt indes nichts unversucht, um noch mehr Gemeinden für die Agenda 21 zu begeistern. „Als besonderer Anreiz wurden neben der Unterstützung durch eine neue Info-Kampagne und der Installierung von fünf dezentralen Regionalmanager/innen für Nachhaltigkeit und Umwelt auch noch bessere Förderbedingungen geschaffen“, sagt DI Günther Humer von der an der Oö. Akademie für Umwelt und Natur angesiedelten Leitstelle Agenda 21. Einzelgemeinden werden statt mit 60 Prozent ab sofort mit 75 Prozent (maximal: 17.500 Euro) der Kosten für die professionelle Prozessbegleitung gefördert. Gemeindenetzwerke kommen ebenfalls in den Genuss einer 75-Prozent-Förderung (maximal: 19.500 Euro). Für finanzschwache Kleingemeinden bis 1.000 Einwohner kann sich der Förderanteil sogar auf 85 Prozent erhöhen. Durch einen von der Einwohner/innenzahl abhängigen Zuschlag profitieren auch Kleinstädte und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohner/innen. „Damit sollen vermehrt auch Städte motiviert werden, Agenda 21-Prozesse zu initiieren“, sagt Humer. Die Gewährung des Zuschlags ist an den Beschluss und die Umsetzung der Aalborg Commitments in Verbindung mit dem Agenda 21-Prozess gebunden. Die maximale Förderhöhe liegt bei 30.000 Euro.
Regionale Ansprechpartnerin für Nachhaltige Gemeinde- und Regionalentwicklung im Sinne der Agenda 21
Begleiten der Agenda 21 Projektinitiativen in der Projektentwicklung und im Projektmanagement, Abklärung von Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten
Betreuen des regionalen Agenda 21-Netzwerkes
Impulse und Know-how Transfer zum Themenbereich Nachhaltigkeit und Umwelt, mit Schwerpunkt „Globale Fairness und Nachhaltige Lebensstile“
Die 1992 beim Erdgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro von 178 Staaten unterzeichnete Agenda 21 versteht sich als umfassendes Aktionsprogramm für den Übergang ins 21. Jahrhundert und gibt damit Leitlinien für eine Nachhaltige Entwicklung vor. Als wesentlich wird in der Agenda 21 die Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Kräften – Bürger/innen, Unternehmer/innen und Interessensgruppen – gesehen. Die Partizipation der Öffentlichkeit auf breiter Ebene, eine aktive Einbindung von Nicht-Regierungs-Organisationen und anderen Gruppen und damit ein breiter Konsens über die Ziele vor Ort, sowie die Bewusstseinsbildung für eine Nachhaltige Entwicklung sollen gefördert werden. Besonders wird auf die Bedeutung der Kommunen für diese Ziele hingewiesen: Sie verwalten und unterhalten die wirtschaftliche, soziale und ökologische Infrastruktur, überwachen Planungsabläufe und wirken über die kommunale Umwelt- und Siedlungspolitik an der Umsetzung der nationalen und regionalen Umwelt- und Raumordnungspolitik mit.
Den Beginn der Agenda 21 in Oberösterreich markiert das Jahr 1997, als die Oö. Akademie für Umwelt und Natur ein Konzept für die Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung auf lokaler Ebene erarbeitete. Schon ein Jahr später, 1998, wurden die ersten Agenda 21-Prozesse in den Pilotgemeinden Burgkirchen, Schlägl, Steinbach an der Steyr und Wilhering gestartet. Mittlerweile gehören mehr als 90 von insgesamt 444 oberösterreichischen Gemeinden zum Agenda 21-Netzwerk.
Bildtext: Frauenpower beim Agenda 21-Leitbildprozess in St. Oswald bei Haslach
Foto: Gemeinde St. Oswald bei Haslach
Christa Oberfichtner
PLEON Publico
Stelzhamerstraße 2, 4020 Linz
Tel.: +43 (0) 732 / 784 777-15
E-Mail: c.oberfichtner@pleon-publico-lz.at
Letzte Änderung dieser Seite: 18.05.2012
© Amt der oberösterreichischen Landesregierung
Impressum