LINZ. Seit 1998 beteiligt sich Oberösterreich intensiv am Prozess der Agenda 21, dem weltweiten Entwicklungsprogramm für Gemeinden und Regionen. Das Land Oberösterreich unterstützt damit gezielt Regionen, Gemeinden und die dort lebenden Menschen in ihren Bemühungen um eine gute Zukunft. Der Fokus auf zukünftige Entwicklungen unterscheidet die Agenda 21 auch von anderen Regionalentwicklungsinstrumenten. Engagement und aktiver Beteiligung werden bei der Agenda 21 zudem ein ganz hoher Stellenwert eingeräumt. Daher wird beim heutigen Netzwerktreffen der Agenda 21-Gemeinden mit der Auszeichnung für 11 Gemeinden und Regionen wieder ganz besonders der kreativen ehrenamtlichen Beteiligung der Akteur/innen gedankt.
Gemeinsam für die Zukunft
"Die aktive Beteiligung der Bürger/innen ist ein zentrales Element einer neuen Kultur kommunalen Planens und Entscheidens. Sie vermittelt Lust, sich freiwillig zu engagieren und eröffnet auch in Zeiten knapper Kassen neue Handlungsspielräume", meint Landesrat Rudi Anschober. Eine Welle freiwilliges Engagement zeichnet jeden Agenda 21-Prozess in Gemeinden aus. Auch Neuzugezogene, Jugendliche oder Senioren, die sich oft nicht in klassischen Vereinsstrukturen finden, werden von der Begeisterung der gemeinsamen Gestaltung erfasst. Agenda 21 ist zu einem Leitinstrument zur Stärkung von Beteiligung und bürgerschaftlichem Engagement in den Gemeinden geworden.
Die Freiwilligenarbeit im Oberösterreichischen Agenda 21-Netzwerk seit 1998 in Zahlen:
Oö. Agenda 21-Netzwerktreffen 2011:
Die Vielfalt der Agenda 21 nimmt zu
Die Oö. Zukunftsakademie zeichnet heute nicht nur Gemeinden, sondern auch Regionen und Organisationen beim Agenda 21-Netzwerktreffen aus. Altmünster, Laakirchen, Kronstorf und Gosau werden für die Fertigstellung das Agenda 21-Zukunftsprofils geehrt.
Steinbach an der Steyr, Engelhartszell, St. Veit im Innkreis und die Region Mühlviertler Alm sind bereits seit vielen Jahren aktiv und vorbildlich in der Agenda 21 tätig.
Die Pfarre Altmünster, der Verein Erlebnismarkt Molln-Leonstein und die Regionalentwicklungsorganisationen in Steyr-Kirchdorf werden für ihre speziellen Agenda 21-Zukunftsprozesse ausgezeichnet.
Die Preisträger/innen im Überblick:
Altmünster
Die Gemeinde aus dem Bezirk Gmunden widmet sich im Agenda 21-Prozess u.a. der Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes sowie der Förderung von Wirtschaft, Arbeit und Nahversorgung.
Gosau
Die 1.800 Einwohner zählende Gemeinde nimmt sich vor, ein Sozialzentrum (Hort, Kinderbetreuung und Erwachsenenbildung) zu errichten sowie einen Radweg zur Nachbargemeinde Hallstatt zu realisieren.
Kronstorf
Die kleine Marktgemeinde ist sehr aktiv: Die Bürger/innen arbeiten bereits an 18 Projekten. Geplant ist zudem die Gründung eines Talentetauschkreises.
Laakirchen
Die Laakirchner/innen möchten die Bewusstseinbildung für Umwelt und Natur fördern. Zu diesem Zweck haben bereits Vorträge stattgefunden. Die Gemeinde plant die Gründung eines Jugendhauses.
Engelhartszell
Die rund 1.000 Einwohner/innen zählende Gemeinde hat bereits 2004 den Agenda 21-Prozess gestartet und setzt dabei auf die Nutzung von Natur und Donau. Projekte sind u.a. die Mini-Donau sowie ein Sinnes- und Generationengarten.
Region Mühlviertler Alm
Seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet die Mühlviertler Alm an Nachhaltigkeitsprojekten im Rahmen der Agenda 21. Zu den vielen Erfolgen zählen die Bemühungen in den Bereichen Jugendarbeit, erneuerbare Energien und Klimaschutz. Ein geplantes Projekt: „Haus der Lebensregion“.
St. Veit im Innkreis
Klein, aber oho! Der nur knapp über 400 Einwohner/innen zählenden Gemeinde gehen die Ideen nicht aus. Seit 1999 wurden u.a. Projekte wie Wohnungsbau, die Naturschule St. Veit und ein Vitalparcours umgesetzt. Zukünftig möchten die Bürger/innen ökologische und regionale Produkte fördern.
Steinbach an der Steyr
2009 ging der Agenda 21-Prozess der Gemeinde Steinbach in die zweite Runde. Die kleine Gemeinde aus dem Bezirk Kirchdorf arbeitet an der Förderung von Tourismus, Kunst und Kultur.
Pfarre Altmünster
Zusätzlich zum Agenda 21-Prozess der Gemeinde Altmünster hat auch die Pfarre diese Initiative gestartet. Ihr liegt die Unterstützung von Jugendlichen und jungen Familien besonders am Herzen.
Erlebnismarkt Molln-Leonstein
Rund. 60 Betriebe, die Gemeinde Molln, die Gemeinde Grünburg (Ortsteil Leonstein), zahlreiche Vereine und Bürger/innen möchten mit Hilfe der Agenda 21 dem Wirtschaftstandort Molln-Leonstein und den Tourismus stärken.
Regionalentwicklungsorganisationen Steyr-Kirchdorf
Diese haben gemeinsam einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Ziele sind z.B. die verstärkte Nutzung des öffentlichen Verkehrs, die Umsetzung von Energiesparmaßnahmen sowie Regionalentwicklung anhand des Leitfadens „Nachhaltigkeit im Projekt“.
„Ehrenamtliches Engagement ist weniger selbstlos als man denkt“
„Ehrenamtliches Engagement ist weniger selbstlos als man denkt. Denn man bekommt so viel durch die schönen Begegnungen und Erfahrungen zurück“ – das sagt einer, der es wissen muss. Josef Eibl, Volksschuldirektor in Lembach, engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Agenda 21. Er ist Kernteammitglied in der Agenda 21 in Niederkappel und Mitglied des Kernteams in der Gemeindekooperation mit Hofkirchen, Pfarrkirchen, Neustift und Oberkappel.
„Mit Agenda 21 hat man die Möglichkeit, sich an etwas Neuem zu versuchen und in Zusammenarbeit mit anderen Menschen Akzente auf unbekanntem Terrain zu setzen“, beschreibt der dreifache Familienvater den besonderen Reiz, den die Agenda 21 für ihn hat. Zu den Hobbys von Josef Eibl zählen das Lesen, Schreiben und Nachdenken. Das sind Beschäftigungen, die er sehr gerne mit seiner Tätigkeit für Agenda 21 verbindet. Denn auch in seiner Freizeit liest Eibl viel über Regionalentwicklung und Kultur.
Sein Wissen bringt er gerne zu Papier und in Form von Leitbildern, Konzepten und Öffentlichkeitsarbeit in die Agenda 21 ein. Für das Überwinden von schwierigen Projektphasen sind für Eibl die Motivation durch die Prozessbegleiter und deren professionelle Hilfe sehr entscheidend. „Mit Agenda 21 kann man deshalb so viel bewegen, weil man an Projekten arbeitet, deren Dauer und Ausgang ungewiss sind. „Man muss Mut haben und sich etwas trauen“, sagt der Volksschuldirektor. Eine große Herausforderung sieht Josef Eibl in der Weiterentwicklung von bereits Entstandenem und dem Schaffen von dauerhaften Strukturen. „Es wäre wichtig, Menschen langfristig für die Mitwirkung an Agenda 21 begeistern zu können. Themen sollten nachdrücklicher verfolgt werden und nicht mit dem Abschluss eines Projektes enden“, wünscht sich der 54-Jährige. „Die Einbindung der Menschen in der Region muss verstärkt und die Fremdbestimmung stark reduziert werden. Für diesen zentralen Erfolgsfaktor in der Agenda 21 setze ich mich ein“, so Eibl.
Oö. Qualitätsprogramm "Agenda 21 Plus 2010-2015" für eine nachhaltige Gestaltung der Zukunft
Vor allem in Zeiten knapper Kassen und gesellschaftlicher Veränderungen sind die Prinzipien der Agenda 21 – Nachhaltigkeit, Naturnähe, Vielfalt, Regionalität, Langfristigkeit, Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement – in einer zukunftsorientierten Gemeindepolitik überlebenswichtige Faktoren. Mit Agenda 21-Prozessen wird eine entsprechende Berücksichtigung ökologischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Aspekte in der Gemeindeentwicklung gewährleistet.
Für Landesrat Rudi Anschober ist klar: „Die Agenda 21 hat für oberösterreichische Gemeinden und Regionen schon seit vielen Jahren wertvolle Zukunftsarbeit am Leitprinzip Nachhaltigkeit ermöglicht. Mein großer Dank gilt daher den vielen Akteuren/innen, die ihr Know how und ihr Engagement einbringen und damit eine hohe Lebensqualität vor Ort bewirken.“ Um moderne Zukunfts- und Veränderungsprozesse zu ermöglichen, ist in allen Gemeinden eine noch viel stärkere Einbindung, Befähigung und Begeisterung der Bürger/innen als bisher notwendig.
Landesrat Anschober: „Im ‚Oö. Qualitätsprogramm Agenda 21 Plus 2010-2015’ haben wir uns zum Ziel gesetzt, dass bis 2015 jede dritte oberösterreichische Gemeinde zum Agenda 21-Netzwerk gehört.“
Die Ziele der Agenda 21 in Oberösterreich bis 2015 in Zahlen:
Im Sinne dieses Qualitätsprogrammes werden nicht nur neue Gemeinden unterstützt, sondern auch die Qualität und Langfristigkeit von bestehenden Agenda 21-Prozessen ausgebaut. Es sollen Kleingemeinden, stadtnahe Gemeinden, Städte und Kleinregionen verstärkt eingebunden werden. Der Themenbereich Sozialkapital und das bürgerschaftliche Engagement bilden den Schwerpunkt in der zukünftigen Agenda 21-Arbeit.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Steuerung durch kompetente Prozessbegleiter/innen, die über entsprechendes Wissen in den Möglichkeiten der aktiven Beteiligung und Zukunftsplanung verfügen.
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Letzte Änderung dieser Seite: 18.05.2012
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