LINZ. 100 Agenda 21-Gemeinden in Oberösterreich, 100 neue innovative Projekte und 5.000 aktiv beteiligte Personen bis Ende 2009 – das waren die ehrgeizigen Ziele des 100-Gemeinden-Programms, das Landesrat Rudi Anschober im Herbst 2004 präsentierte. Die erfreuliche Erkenntnis viereinhalb Jahre später: Es sind alle Ziele bereits vor Ablauf der Frist erreicht worden. Die Stärkung der Regionen – auch eine zentrale Antwort auf die Wirtschaftskrise.
Mit dem Beitritt der Gemeinde Krenglbach (Bezirk Wels-Land) feiert die Agenda 21 – das Netzwerk für Menschen, Ideen und Lebensräume – ein rundes Jubiläum in Oberösterreich. „100 Gemeinden – auf dieses Ergebnis können wir zu Recht stolz sein“, sagt Landesrat Rudi Anschober, der sich mit der Entwicklung, die die Agenda 21 in den vergangenen Jahren gemacht hat, äußerst zufrieden zeigt. „Ich denke, dass wir das erste Stück des Weges einer umfassenden Bürger/innenbeteiligung und gemeinsamen Gestaltung gegangen sind. Es ist zwar noch viel zu tun, aber der bisherige Erfolg sollte uns die nötige Kraft geben.“
Als Landesrat Anschober im Herbst 2004 das 100-Gemeinden-Programm vorstellte, gab es landesweit 45 Agenda 21-Gemeinden. Im Zeitraum zwischen September 2004 und März 2009 sind weitere 55 Gemeinden – darunter die Wirtschaftsagenda in Molln-Leonstein (Bezirk Kirchdorf) und die Pfarragenda in Sattledt (Bezirk Wels-Land) – dazugekommen. Den 100er machte vor wenigen Tagen Krenglbach voll. „Damit ist das zentrale quantitative Ziel des 100-Gemeinden-Programms bereits jetzt erfüllt“, freut sich Anschober.
Auch das zweite Ziel – die Initiierung von 100 neuen innovativen Projekten – konnte erreicht werden. Belegt wird dies durch eine aktuelle Erhebung in 22 Gemeinden, die zwischen 2005 und 2007 ihr Zukunftsprofil abgeschlossen haben. In diesen 22 Gemeinden wurden im Durchschnitt 9,3 Projekte umgesetzt bzw. finden sich in der Umsetzung. Rechnet man diese Zahl hoch auf alle 55 neuen Agenda 21-Gemeinden, so kommt man auf mehr als 500 Projekte. „Davon verdienen etwa ein Fünftel das Attribut innovativ“, erklärt Anschober. Innovativ bedeutet, dass eine im regionalen Vergleich originelle und neuartige Lösung für ein Problem gefunden wurde, ein neues Thema aufgegriffen oder die Aufbereitung des Themas in neuer Weise erfolgte. Last but not least wurde auch das dritte mit dem 100-Gemeinden-Programm gesteckte Ziel realisiert. Im Zuge der Agenda 21-Prozesse in den 55 neuen Gemeinden haben sich nicht nur 5.000, sondern sogar mehr als 6.000 Personen aktiv beteiligt. Auch das geht aus jener Anfang 2009 durchgeführten Untersuchung hervor, die die Analyse der Umsetzungswirkung von Agenda 21-Prozessen zum Inhalt hatte.
Das Vorhaben, mit der Agenda 21 der Politikverdrossenheit ein Beteiligungsmodell zur aktiven Zukunftsgestaltung gegenüberzustellen, ist eindeutig gelungen. „Die Agenda 21 erweist sich als perfektes Mittel, um Menschen Politik in ihrer ureigensten Form als Mitgestaltung im Sinne der griechischen polis nahezubringen“, sagt Anschober. „Sie zeigt die Möglichkeit zur Gestaltung des eigenen Lebensraumes auf nachhaltige Weise. Ich bin sehr froh, dass mittlerweile Tausende diese Einladung annehmen.“ Generell, so Anschober, sorge die Agenda 21 für einen neuen Aufbruch. „Wir erleben durch sie eine Re-Politisierung im Sinn von Mitgestaltung und Einmischung. Das ist eine neue Qualität des Miteinanders.“
Gerade in Zeiten wie diesen zeige sich die besondere Bedeutung und Sinnhaftigkeit des Agenda 21-Prozesses. „Denn während sich die negativen Auswirkungen der Globalisierung an den Finanzmärkten offenbaren und eine Wirtschafts- und Finanzkrise heraufbeschworen haben, hält die Agenda 21 durch Nachhaltigkeit und Festigung regionaler Strukturen dagegen“, sagt Anschober. „Es ist klar, dass damit nicht die Probleme der Welt gelöst werden können, aber Kommunen und Regionen können dadurch gestärkt werden – sowohl was deren nachhaltige Entwicklung als auch die wirtschaftliche Prosperität betrifft."
Als besonders aktiv hat sich in der Agenda 21 das Mühlviertel erwiesen. Und dort wiederum der Bezirk Rohrbach, der einen Agenda 21-Gemeindeanteil von 55 Prozent verzeichnet. Noch nicht ganz so sehr in den Köpfen verankert ist die Idee der Agenda 21 hingegen im Zentralraum sowie in den Bezirken Eferding, Grieskirchen und Schärding. Dort gibt es laut Günther Humer, Leiter der an der Oö. Akademie für Umwelt und Natur angesiedelten Agenda 21-Leitstelle, noch Nachholbedarf.
Bildtext Hofkirchen: Labyrinthe Hofkirchen/M. (Bezirk Rohrbach) ist eines der zahlreichen innovativen Projekte. Credit: Gemeinde Hofkirchen/M. (honorarfrei)
Bildtext Ottensheim: Im Agenda 21-Prozess von Ottensheim (Bezirk Urfahr-Umgebung) sind erfreulich viele junge Menschen involviert. Credit: Gemeinde Ottensheim (honorarfrei)
Bildtext Pressekonferenz mit LR Rudi Anschober:
Wie kreativ manche Agenda-Gemeinden arbeiten zeigte Bürgermeister Martin Raab (links) bei der Pressekonferenz in Linz. Ein Hofkirchner Künstler hatte den Bürgermeister mit einzigartigen Werkstücken aus seiner Holzwerkstatt ausgestattet - einem Hut für Männer, gedrechstelt aus einem einzigen Stück Holz und einem Holz-BH für modemutige Damen. Das Signal dahinter: Es ist möglich, Alltägliches aus einer neuen Perspektive anzuschauen und daraus neue Ideen zu entwickeln. Weiters am Bild (v.l.n.r.) Bürgermeisterin Ulrike Böker aus Ottensheim, Landesrat Rudi Anschober und der Leiter der Agenda 21-Leitstelle in Oberösterreich, Günther Huemer.
Credit: Land OÖ/Stinglmayr (honorarfrei)
Veranstaltungshinweis: Am Donnerstag, 2. April, findet unter dem Motto „Agenda 21 zeigt Profil“ das Agenda 21-Netzwerktreffen in den Redoutensälen Linz (18.30 Uhr) statt. Im Rahmen dieser Festveranstaltung zeichnet Landesrat Anschober Vertreter/innen der Pfarre Sattledt sowie jener 22 oberösterreichischen Gemeinden aus, die in den Jahren 2007 oder 2008 ihr Agenda 21-Zukunftsprofil erstellt haben. Als Festredner wurde der internationale Umwelt- und Klimaexperte Dr. Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gewonnen.
Was ist Agenda 21?
Das Land Oberösterreich unterstützt mit dem Schwerpunkt Agenda 21 die Umsetzung von Zukunftsprozessen in Gemeinden und Regionen. Ziel ist die Sicherung und Verbesserung lokaler Lebensqualitäten für gegenwärtige und künftige Generationen. Bereits 100 oberösterreichische Gemeinden haben Agenda 21-Prozesse gestartet. Agenda 21 setzt auf Bürger/innenbeteiligung, Praxisnähe, Langfristigkeit, Überschaubarkeit, Ganzheitlichkeit und Partnerschaftlichkeit. Die Agenda 21 wurde im Jahr 1992 bei der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro als weltweites Programm für einen Kurswechsel in Richtung einer Nachhaltigen Entwicklung formuliert. Agenda kommt aus dem Lateinischen und meint „Was ist zu tun?“, 21 steht für ein lebenswertes 21. Jahrhundert. |
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Letzte Änderung dieser Seite: 18.05.2012
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