In Oberösterreich haben bisher mehr als 90 Gemeinden einen Agenda 21-Prozess gestartet. Pinsdorf und Vorchdorf sind zwei weitere Gemeinden, in denen die Agenda 21-Zukunft begonnen hat. Wie wichtig dieser Prozess ist, zeigen monatliche Umfragen des Regionalmanagements Vöcklabruck-Gmunden, die belegen, dass mehr als 92 Prozent der Bevölkerung Initiativen befürworten, die eine nachhaltige Regional- und Gemeindeentwicklung unterstützen.
Agenda 21 in der Region Vöcklabruck-Gmunden:
Nachholbedarf, aber enormes Potenzial
Mag. Herbert Brunsteiner, Obmann des Vereins für Regionalentwicklung und Bürgermeister von Vöcklabruck ist stolz auf das Engagement der Mitgliedsgemeinden. „Im Bereich der Agenda 21 besteht in unserer Region sicherlich noch Nachholbedarf, aber auch enormes Potenzial“, sagt Brunsteiner. Die Agenda 21 ist für ihn das geeignete Instrument, dem Wunsch der Bevölkerung nach Einbeziehung in regionale Prozesse und Projekte nachzukommen. „Bislang noch versteckte Ressourcen und Projektideen in unserer Region – die die Entwicklung unserer Region nachhaltig beeinflussen können – sollen im Agenda 21-Prozess gemeinsam an die Oberfläche geholt werden“, sagt der Obmann.
Die Aufgabe des Regionalmanagements sieht er darin, die Menschen, Vereine und Gemeinde bei der Projektarbeit zu unterstützen – von der Ideenfindung über die Finanzierung bis hin zur Antragstellung. Brunsteiner: „Wir setzen damit positive Impulse in der Regionalentwicklung und helfen mit, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.“
Sein Stellvertreter Heinz Köppl, Bürgermeister von Gmunden, ist stolz, zwei neue Gemeinden für die Mitarbeit an der Regionalentwicklung gewinnen zu können. „Es freut mich, dass das Agenda 21-Netzwerk wächst – ganz besonders freue ich mich darüber, dass die beiden neuen Agenda 21-Gemeinden aus dem Bezirk Gmunden stammen“, sagt Köppl. Der stellvertretende Obmann will sich dafür einsetzen, dass noch weitere Gemeinden dazukommen und so von der Regionalentwicklung profitieren.
BewohnerInnen der Region wünschen sich mehr BürgerInnenbeteiligung
Seit Mai führt das Regionalmanagement Vöcklabruck-Gmunden monatlich Umfragen zur Regionalarbeit durch. Die Antworten auf den „Regionsticker“ liefern Stimmungsbilder zur regionalen Entwicklung. „Die Umfragen zeigen, dass in der Bevölkerung der Region der Wunsch nach mehr BürgerInnenbeteiligung stark ausgeprägt ist“, sagt Regionalmanager Mag. Johannes Meinhart.
In der aktuellen Umfrage sprechen sich 40 Prozent der Befragten dafür aus, dass BürgerInnen zumindest das Recht haben, zu Projekten Stellung zu nehmen und konstruktive Ideen und Vorschläge einzubringen. Mehr als die Hälfte will sogar, dass BürgerInnen so oft wie möglich aktiv bei Projekten mitbestimmen sollten. Initiativen, die eine nachhaltige Regional- und Gemeindeentwicklung unterstützen, werden sogar von mehr als 92 Prozent der Befragten unterstützt. 38 Prozent wollen mehr über dieses Thema erfahren.
Neue, verbesserte Förderbedingungen als besonderer Anreiz für Gemeinden
Das Land Oberösterreich lässt nichts unversucht, um noch mehr Gemeinden für Agenda 21 zu begeistern. „Als besonderer Anreiz wurden neben der Unterstützung durch eine neue Info-Kampagne und der Installierung von fünf dezentralen Regionalmanagerinnen und Manager für Nachhaltigkeit und Umwelt auch noch bessere Förderbedingungen geschaffen“, betont DI Günther Humer von der Agenda 21-Leitstelle, die an der Oö. Akademie für Umwelt und Natur angesiedelt ist. Einzelgemeinden werden statt mit 60 Prozent ab sofort mit 75 Prozent (maximal: 17.500 Euro) der Kosten für die professionelle Prozessbegleitung gefördert.
Gemeindenetzwerke kommen ebenfalls in den Genuss einer 75-Prozent-Förderung (maximal: 19.500 Euro). Für finanzschwache Kleingemeinden bis 1.000 Einwohner kann sich der Förderanteil sogar auf 85 Prozent erhöhen. Durch einen von der EinwohnerInnenzahl abhängigen Zuschlag profitieren selbst Kleinstädte und Gemeinden mit mehr als 5.000 EinwohnerInnen. „Damit sollen vermehrt auch Städte motiviert werden, Agenda 21-Prozesse zu initiieren“, sagt Humer. Die Gewährung des Zuschlags ist an den Beschluss und die Umsetzung der Aalborg Commitments in Verbindung mit dem Agenda 21-Prozess gebunden. Die maximale Förderhöhe liegt bei 30.000 Euro.
Plan für 2009: Neue Agenda 21-Gemeinden
Regionalmanager Meinhart hat sich für heuer das Ziel gesetzt, zwei neue Gemeinden der Region Vöcklabruck-Gmunden für den Agenda 21-Prozess zu gewinnen. Dieses konnte er mit Erfolg umsetzen. Damit gibt es acht Agenda 21-Gemeinden in der Region. Drei haben den Prozess bereits abgewickelt, Attersee am Attersee, Neukirchen an der Vöckla und Ebensee sind mitten drin. Mit Pinsdorf und Vorchdorf sind zwei weitere Gemeinden dazugekommen. 2009 will Meinhart weitere Gemeinden für einen Agenda 21-Prozess begeistern. „Agenda 21 eröffnet neue, zukunftsfähige Möglichkeiten und Perspektiven für die Entwicklung der Gemeinden – sei es im wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen oder auch im ökologischen Bereich“, sagt der Regionalmanager.
Pinsdorf: Agenda 21-Prozess für sichere Nahversorgung
In Pinsdorf bereiten sich alle Beteiligten gemeinsam mit Prozessbegleiter DI Peter Jungmeier von der Spes Akademie gerade auf die Startveranstaltung am 19. November vor. Der Bereich Nahversorgung wird dabei eine große Rolle spielen. Den PinsdorferInnen geht es vor allem um die Sicherung der Versorgung vor Ort. Verkehr und Mobilität sind ein weiterer wichtiger Punkt, ebenso die Integration von Menschen mit Behinderung nach dem Vorbild der Lebenswelt Schenkenfelden.
Vorchdorf mit dabei: Gemeinderat gibt grünes Licht
Vorchdorf steht noch ganz am Beginn des Agenda 21-Prozesses. Der Gemeinderat hat vergangene Woche mit einem positiven Gemeinderatsbeschluss grünes Licht für den Start gegeben. DI Wolfgang Mader von der Spes Akademie wird den Prozess begleiten. In Vorchdorf soll es nun Schlag auf Schlag gehen. Für nächste Woche ist ein erstes Treffen mit einem Rundgang durch die Gemeinde geplant. Noch im Herbst soll mit dem Organisationsaufbau begonnen werden. Vielleicht wird es in diesem Jahr sogar noch die erste öffentliche Veranstaltung zum Agenda 21-Prozess geben. Das Tempo bestimmen jedoch die Beteiligten selbst.
Projekte für Gegenwart und Zukunft in der Region Vöcklabruck-Gmunden
Die Bandbreite der Projekte in der Region Vöcklabruck-Gmunden ist beachtlich. Sie reicht von großen „Leuchtturm-Projekten“ für die gesamte Region bis hin zu kleinen Projekten, deren Wirkung im Alltagsleben Spuren hinterlässt.
In Attersee am Attersee arbeiten Agenda 21-Projektgruppen unter anderem an einem Nutzungskonzept für die Atterseehalle. Das Ziel ist eine ganzjährige Auslastung der Lokalität. Beim Projekt „Blickpunkte Attersee“ soll der Ort von einem neuen Besucherzentrum neben der Atterseehalle aus auf verschiedenen Wegen kulturgeschichtlich erschlossen werden. Als Informationsträger werden eigens konstruierte Hörbänke dienen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der touristischen Erschließung des Buchbergs.
Das Projekt „Bespielbare Gemeinde“ in Neukirchen an der Vöckla wurde kürzlich als Leader-Projekt eingereicht. Auf einem mehrere Kilometer langen Weg wurden 13 Stationen entworfen, die zu Spaß, Abenteuer, Naturerfahrung und ökologischer Wissensvermittlung einladen. Für eine möglichst breite Akzeptanz der Bevölkerung, wurden unter anderem Kinder und Jugendliche aus Neukirchen in die Planung miteinbezogen.
Vöcklamarkt setzt auf Nahwärmeversorgung aus Biomasse. 900.000 Euro wurden in eine entsprechende Anlage investiert, 30 Gebäude sind bisher angeschlossen. Um etwas gegen die Vereinsamung im Alter zu tun, wurde ein Besuchsdienst ins Leben gerufen. Rund 20 Männer und Frauen besuchen wöchentlich etwa 40 alleinstehende ältere Menschen.
Mit dem „Lokalen Aktionsplan für Beschäftigung und Bildung“ haben die EbenseerInnen ein neues Instrument der kommunalen Beschäftigungs- und Wirtschaftspolitik geschaffen. Damit soll die Vernetzung von Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Bildungseinrichtungen und Sozialpartnern in der Gemeinde intensiviert werden. Eines der ersten Projekte aus dem Prozess ist die Neugestaltung des Ebenseer Weihnachtsmarktes.
Was ist Agenda 21?
Die 1992 beim Erdgipfel der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro von 178 Staaten unterzeichnete Agenda 21 versteht sich als umfassendes Aktionsprogramm für den Übergang ins 21. Jahrhundert und gibt damit Leitlinien für eine Nachhaltige Entwicklung vor. Als wesentlich wird in der Agenda 21 die Zusammenarbeit mit allen gesellschaftlichen Kräften – Bürger/innen, Unternehmer/innen und Interessensgruppen – gesehen. Die Partizipation der Öffentlichkeit auf breiter Ebene, eine aktive Einbindung von Nicht-Regierungs-Organisationen und anderen Gruppen und damit ein breiter Konsens über die Ziele vor Ort, sowie die Bewusstseinsbildung für eine Nachhaltige Entwicklung sollen gefördert werden. Besonders wird auf die Bedeutung der Kommunen für diese Ziele hingewiesen: Sie gestalten wesentliche Bereiche der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Lebensqualität und sind jene staatliche Ebene, die eine besondere Nähe zu den Bürgern hat.
Den Beginn der Agenda 21 in Oberösterreich markiert das Jahr 1997, als die Oö. Akademie für Umwelt und Natur ein Konzept für die Umsetzung einer Nachhaltigen Entwicklung auf lokaler Ebene erarbeitete. Schon ein Jahr später, 1998, wurden die ersten Agenda 21-Prozesse in den Pilotgemeinden Burgkirchen, Schlägl, Steinbach an der Steyr und Wilhering gestartet. Mittlerweile gehören mehr als 90 von insgesamt 444 oberösterreichischen Gemeinden zum Agenda 21-Netzwerk.
Bildtext: Die jüngste Gemeinde im Netzwerk der Agenda 21 in Oberösterreich ist zur Zeit Vorchdorf.
Foto: Regionalmanagement
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Letzte Änderung dieser Seite: 18.05.2012
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