Ein abgerissenes Gasthaus vor der Kulisse des Traunsteins.
Beitrag
Ebensee
17.08.2021

Ebensee arbeitet an seiner Baukultur

Baukultur ist auch in Ebensee im wahrsten Sinne des Wortes mehr als nur Fassade. Zum schrittweisen Verlust der historischen Bausubstanz sind Themen wie die zunehmende Verkehrsbelastung und eine immer weiter voranschreitende Bodenversiegelung aktueller denn je. Wie geht Ebensee künftig mit dem baukulturellem Erbe um und wie soll sich die Traunseegemeinde in Zukunft baulich weiterentwickeln? In einem in Oberösterreich bisher einzigartigen themenbezogenen Agenda 21 Prozess wird in den nächsten Monaten gemeinsam mit den BürgerInnen an eigenen Baukultur-Richtlinien gearbeitet.

Gemeinsam mit dem Naturraum und soziokulturellen Einrichtungen (wie Wirtshäusern, Treffpunkten, der Feuerwehr, Kino, etc.), Brauchtümern und Traditionen ist Baukultur ein wesentlicher Faktor für die kommunale und regionale Bindung von BewohnerInnen, Abgewanderten und potentiellen RückkehrerInnen. Ebensee hat - geprägt durch die historisch gewachsenen "Widersprüche" zwischen Industrieort, Postkartenidylle, Landwirtschaft und Sommerfrische - ein sehr reiches baukulturelles Erbe, wie zB historische Arbeiterhäuser. Immer mehr dieser architektonisch bedeutsamen Gebäude fielen jedoch einer oberflächlich modernen Bebauung zum Opfer. Verbunden damit sind wie in jeder anderen Gemeinde auch ökologisch bedenkliche Entwicklungen wie zunehmende Bodenversiegelung oder eine zunehmende Verkehrsbelastung. Offensichtlich wurde das u.a. im Herbst 2020, als das 400 Jahre alte Wirtshaus "Emseea" abgerissen wurde und nun durch Reihenhäuser ersetzt wird. Innerhalb kürzester Zeit wurde eine Petition zum Erhalt dieses historischen Gebäudes von fast 2000 BürgerInnen unterschrieben. Auch wenn dieser Appell letzten Endes erfolglos verhallte, war er doch ein Impuls, sich nun vertieft mit einem nachhaltigen und sensiblen Umgang mit den baukulturellen Besonderheiten in Ebensee zu beschäftigten. 

BürgerInnen arbeiten an Baukultur-Richtlinien mit

Kern der Arbeit in diesem in Oberösterreich bisher einzigartigen Agenda 21 Projekt ist die partizipative Erarbeitung einer lokalen Baukulturstrategie, gemeinsam mit der Bevölkerung, der Politik und Experten. Dieses Strategiepapier wird Handlungsanleitungen für Verwaltung, Politik und BauwerberInnen zu Themen wie Qualitätssicherung, Ortsbild oder Raumgestaltung  sowie konkrete Baukulturrichtlinien enthalten. Sie ist ein transparenter, fachlicher Rahmen für die Weiterentwicklung und den Erhalt von Baukultur in Ebensee. Als Basis für den Prozess werden auch die inhaltlichen Grundlagen zum Thema Baukultur in Ebensee aufgearbeitet. Die Baukulturstrategie dient sowohl als Leitlinie für den künftigen Umgang mit Baukultur als auch als eine Dokumentation von Bauten, auf die man als EbenseerIn stolz ist. 

Ab September wird es für die interessierte Bevölkerung eine Reihe von Möglichkeiten geben, sich am Prozess zu beteiligen und an der Entwicklung der Baukulturrichtlinen mitzuarbeiten. Beispielsweise bei eigenen Architekturspaziergängen vor Ort und im Rahmen von öffentlichen Workshops. Und auch der Gemeinderat wird sich am 21. November in einer ganztägigen Klausur mit dem Thema Baukultur auseinandersetzen. Begleitet wird der Prozess vom Verein Landluft

Marktgemeinde Ebensee

Weitere Artikel

Landschaftsbild, im Vordergrund die Steyr bei Losenstein, im Hintergrund grüne Wiesen und Hügel.
25.11.2021

RSR-Report für regionale soziale Verantwortung und nachhaltige Entwicklung

Die Initiative Steyrland ist ein Netzwerk von derzeit insgesamt 133 Mitgliedern, bestehend aus Gemeinden, Unternehmen, Schulen, Vereinen und Verbänden im Bezirk Steyr-Land. In einem Agenda 21-Projekt erstellte die Initiative einen bisher einzigartigen Regional Social Responsibility Report (RSR), der das regionale Engagement für eine nachhaltige Entwicklung und soziale Verantwortung fördert. Als Wegweiser dazu dienten die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele.
Eine Frau blättert durch die Broschüre Denkwerkzeug Multilokalität
18.10.2021

Neues Agenda 21-Tool: Denkwerkzeug Multilokalität

Das „Denkwerkzeug Multilokalität“ gibt Gemeinden und Regionen einen Überblick über die Formenvielfalt des multilokalen Lebensstils und bietet als „Workbook“ praktisches Handwerkszeug, Arbeitsmaterial und Methoden, um mit der Zielgruppe der „Multilokalen“ proaktiv in Kontakt zu kommen. Neben den spezifischen Bedürfnissen der Multilokalen stehen deren Ressourcen und Potentiale für Gemeinden und Regionen im Fokus.

Ein Flachdach mit zahlreichen Photovoltaik-Paneelen.
13.07.2021

Klimastrategien: Gallneukirchen und Timelkam tun was für´s Klima

Der globale Klimawandel stellt ohne Zweifel die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts dar und ist auch schon in vielen oberösterreichischen Gemeinden mehr als präsent. Ganz im Sinne der Agenda 21 wurden die Marktgemeinde Timelkam und die Stadtgemeinde Gallneukirchen nun aktiv und erarbeiteten gemeinsam mit BürgerInnen, den Wirtschaftstreibenden und anderen lokalen Initiativen jeweils eine eigene "Klimastrategie 2030". Sie dienen künftig als Leitlinie für klimafreundliche Entscheidungen und beschreiben die wichtigsten Handlungsfelder, Entwicklungsziele und konkrete Maßnahmen.
Eine Gruppe von 15 Personen mit Sektgläsern auf einer Wiese.
23.04.2021

23 Gemeinden und Projekte für Agenda 21-Zukunftsarbeit ausgezeichnet

17 Gemeinden und 6 Modellprojekte sollten am 23. April 2021 von Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landesrat Stefan Kaineder für ihr vorbildliches Zukunfts- und Beteiligungsengagement im Agenda 21-Zukunftsprogramm ausgezeichnet werden. Coronabedingt musste die Festveranstaltung ausfallen und Zertifikate und Präsente werden nun aus der Ferne übermittelt. Die Latte für die Auszeichnung liegt hoch, gilt es doch, umfassend zu beteiligen, innovative Ideen zu entwickeln und konkrete Umsetzungen auf den Weg zu bringen. Die PreisträgerInnen kommen aus allen Teilen unseres Landes und decken eine große Bandbreite an Zukunftsthemen ab.