Ortsansicht der Gemeinde mit Kirche und einem Modell des neuen Nahversorgers
Beitrag
Kleinzell
26.11.2020

Agenda 21 Kleinzell: Nahversorgung und altersgerechtes Wohnen

Die Arbeit und das Engagement im Agenda 21-Prozess der Gemeinde Kleinzell zeigt sich mittlerweile in erfolgreichen Projekten: Für den neuen, modernen Nahversorger im Ortszentrum erfolgte gerade der Spatenstich. Und im Projekt "Wohnen mit Service" soll ein altes Haus im Zentrum künftig ein attraktives Wohnangebot für selbstbestimmtes Leben der älteren GemeindebürgerInnen bieten.

Nahversorgung sozial und regional

Bereits seit 15 Jahren wird in Kleinzell über ein Geschäft diskutiert und auch im Agenda 21-Basisprozess hatte dieses Thema immer oberste Priorität. Am Platz des alten Feuerwehrgebäudes, mitten im Ortszentrum, entsteht nun ein barrierefreies Geschäft in Holzbauweise, das im April 2021 fertiggestellt sein soll.  Betreiber des neuen Ladens mit Vollsortiment, in das auch die örtliche Cafe-Bäckerei Wolfmair einziehen wird, ist der Sozialverein ARTEGRA -  Geschützte Werkstätten aus Altenfelden. Somit wird schon von Beginn an auf eine soziale Komponente gesetzt, indem hier vor allem Menschen mit Beeinträchtigung einen Arbeitsplatz finden. Bürgermeister Klaus Falkinger ist überzeugt, dass seine Gemeinde damit an Lebensqualität gewinnt:

„Ältere Mitbürger können wieder zu Fuß einkaufen gehen, Familien sparen sich damit vielleicht das Zweitauto, selbst Jugendliche haben einen Nahversorger in der Heimatgemeinde ganz oben auf ihrer Liste stehen.“ 

Bürgermeister Klaus Falkinger

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der regionalen Wertschöpfung, denn Produkte von Landwirten aus der Umgebung sollen im Kleinzeller Dorfladen viel Platz finden. ARTEGRA sucht aktiv die Zusammenarbeit mit regionalen Vermarktern, die als Zulieferer dabei sein möchten. Die Entwicklung eines regionalen Warenkorbes sowie von Maßnahmen, um das nötige Einkaufsbewusstsein bei den KleinzellerInnen zu schaffen, wird im Rahmen eines Agenda 21-Follow up-Prozesses unterstützt. Alle GemeindebürgerInnen sind eingeladen, dazu ihre Ideen einzubringen. Aufgrund der angestrebten Regionalität werden die investiven Maßnahmen von der LEADER-Region Donau Böhmerwald mit 100.000 Euro unterstützt. 

Altersgerechtes Wohnen mit Service

Ein weiteres zentrales Thema des Agenda 21-Basisprozesses waren Wohnangebote für ältere MitbürgerInnen, die noch selbstbestimmt leben können, aber an ihre Bedürfnisse angepasste Leistungen nutzen wollen. Dieses wird nun ebenfalls im Agenda 21 Follow up-Prozess vertieft bearbeitet. Markus Kropfmüller leitet die Projektegruppe, welche ein altes Haus im Ortszentrum für diese Form des Wohnens adaptieren möchte. Neben der Überprüfung der baulichen Möglichkeiten im alten „Wiedersteinhaus“ führte ein erster Schritt die Projektgruppe im Rahmen einer Exkursion nach Baden-Württemberg. 

Gruppenfoto einer Exkursionsgruppe, 10 Personen, vor altem Haus mit bröckelnder Fassade

In der Umgebung von Freiburg im Breisgau wurden unterschiedliche Modelle zur Steigerung der Lebensqualität im Alter besichtigt. Beispiele wie SoMit (Soziales Miteinander Schuttertal), Umkirch – Haus am Mühlbach, Schallstadt – Villa Steingasse oder die Seniorengenossenschaft Riedlingen zeigten, wie alte, teils denkmalgeschützte Gebäude, neue Funktionen durch verschiedene Formen von Seniorenwohnen oder Tagesbetreuung finden. Mit vielen Ideen im Gepäck wird nun in Kleinzell, gemeinsam mit den BürgerInnen, weiter an einem realisierbaren Konzept gearbeitet.

Und vieles mehr…

Neben den beiden Schwerpunkten ist Kleinzell aber auch in vielen anderen Bereichen sehr umtriebig. Beim Modellprojekt „Aktiv bewegt“ der SPES Zukunftsakademie, unterstützt durch den Fonds Gesundes Österreich, ist Kleinzell Pilotgemeinde, um das Bewusstsein für Alternativen zum Auto zu stärken und vermehrt zum Gehen, Radeln, Rollern usw. zu motivieren. Der Granitland- Sommerspaß, eine gemeindeübergreifende Sommerkinderbetreuung, ging heuer erfolgreich in die zweite Runde. Die Projektgruppe „Familienfreundliche Gemeinde“ legte gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung die Bürgerinfo „Kleinzell aktiv“ neu auf. Der kleine Leitfaden dient dazu, die vielfältigen Angebote der Gemeinde für Neuzugezogene und Ortsansässige gut sichtbar zu machen. Teil der Willkommenskultur in Kleinzell ist es auch Neuzugezogene kurz in der Gemeindezeitung vorzustellen und sie bei einem Zugezogenen-Stammtisch willkommen zu heißen.

Homepage Kleinzell im Mühlkreis

Weitere Artikel

Ein abgerissenes Gasthaus vor der Kulisse des Traunsteins.
17.08.2021

Ebensee arbeitet an seiner Baukultur

Baukultur ist auch in Ebensee im wahrsten Sinne des Wortes mehr als nur Fassade. Zum schrittweisen Verlust der historischen Bausubstanz sind Themen wie die zunehmende Verkehrsbelastung und eine immer weiter voranschreitende Bodenversiegelung aktueller denn je. Wie geht Ebensee künftig mit dem baukulturellem Erbe um und wie soll sich die Traunseegemeinde in Zukunft baulich weiterentwickeln? In einem in Oberösterreich bisher einzigartigen themenbezogenen Agenda 21 Prozess wird in den nächsten Monaten gemeinsam mit den BürgerInnen an eigenen Baukultur-Richtlinien gearbeitet.
Ein Flachdach mit zahlreichen Photovoltaik-Paneelen.
13.07.2021

Klimastrategien: Gallneukirchen und Timelkam tun was für´s Klima

Der globale Klimawandel stellt ohne Zweifel die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts dar und ist auch schon in vielen oberösterreichischen Gemeinden mehr als präsent. Ganz im Sinne der Agenda 21 wurden die Marktgemeinde Timelkam und die Stadtgemeinde Gallneukirchen nun aktiv und erarbeiteten gemeinsam mit BürgerInnen, den Wirtschaftstreibenden und anderen lokalen Initiativen jeweils eine eigene "Klimastrategie 2030". Sie dienen künftig als Leitlinie für klimafreundliche Entscheidungen und beschreiben die wichtigsten Handlungsfelder, Entwicklungsziele und konkrete Maßnahmen.
Eine Gruppe von 15 Personen mit Sektgläsern auf einer Wiese.
23.04.2021

23 Gemeinden und Projekte für Agenda 21-Zukunftsarbeit ausgezeichnet

17 Gemeinden und 6 Modellprojekte sollten am 23. April 2021 von Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landesrat Stefan Kaineder für ihr vorbildliches Zukunfts- und Beteiligungsengagement im Agenda 21-Zukunftsprogramm ausgezeichnet werden. Coronabedingt musste die Festveranstaltung ausfallen und Zertifikate und Präsente werden nun aus der Ferne übermittelt. Die Latte für die Auszeichnung liegt hoch, gilt es doch, umfassend zu beteiligen, innovative Ideen zu entwickeln und konkrete Umsetzungen auf den Weg zu bringen. Die PreisträgerInnen kommen aus allen Teilen unseres Landes und decken eine große Bandbreite an Zukunftsthemen ab.
Szene aus einem Co-Working Raum, im Vordergrund eine Frau mit Kind
15.03.2021

Urbane Qualitäten - 200 Ideen für das Landleben der Zukunft

Immer mehr Menschen wünschen sich gleichermaßen urbane und ländliche Qualitäten an ihrem Wohnort. Der neue Trend- und Innovationsreport der Oö. Zukunftsakademie nimmt Bezug auf geänderte Bedürfnisse unserer Zeit und auf damit verbundene Gestaltungschancen. Es gilt diese zu nutzen, um auch Gemeinden im ländlichen Raum Einzigartigkeit und Attraktivität durch Integration urbaner Elemente zu verleihen, ohne deren Identität zu gefährden. 200 konkrete Beispiele verdeutlichen, wie das gelingen kann.