Kinder forsten ein Waldstück wieder auf.

Landspinnerei St. Aegidi: Leben und Arbeiten am Land

Die „Landspinnerei St. Aegidi“ zeigt neue Perspektiven für den ländlichen Raum auf. Wie kann „Leben & Arbeiten am Land“ künftig in ländlich peripheren Räumen aussehen? Und welche Rolle kann Co-Working dabei spielen? Mit diesen Themen setzt sich die Gemeinde St. Aegidi in einem Agenda 21-Projekt bei der Planung des neuen multifunktionalen Bürgerhauses gemeinsam mit der Bevölkerung intensiv auseinander.Elf Personen stehen lachend hinter einem Tisch.
Die Grundidee einer „Landspinnerei St. Aegidi“ kommt nicht von ungefähr. Der Ausgangspunkt war der anstehende Neubau des Gemeindeamts in der Gemeinde. Dieses soll aber weit über die üblichen Funktionen eines Amtsgebäudes hinausgehen – ein echtes BürgerInnenhaus sollte entstehen. Erste Überlegungen dazu wurden bereits im Agenda 21-Basisprozess 2013 angestellt und im Follow Up-Prozess 2018/19 vertieft. Das BürgerInnenhaus soll Funktionen beherbergen, die den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind und sie für ein gutes Leben in St. Aegidi brauchen. Ein ganz wesentlicher Baustein war dabei zunehmend das Thema „Leben und Arbeiten am Land“.

Arbeitsplätze zu den Menschen bringen

Ziel der "Landspinnerei" ist es, Arbeit bzw. Arbeitsplätze wieder zurück in den Ortskern zu bringen, attraktiven und flexiblen Arbeitsraum für die Region zu schaffen und Raum für Potentialentfaltung der BürgerInnen vor Ort zu bieten. Dadurch soll das Ortszentrum belebt werden und attraktive Arbeitsplätze für die heranwachsende bzw. wieder zurückkehrende (oder auch multilokale) junge Generation geschaffen werden. Zudem trägt die Landspinnerei mit flexiblen, temporären Arbeitsplätzen den Anforderungen und Chancen künftiger Arbeitswelten Rechnung.  

Die BürgerInnen wünschten sich Flächen, die öffentlich genutzt werden können. Zudem sollte eine Co‐Working‐Struktur, die an die Bedürfnisse des ländlichen Raumes und an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst ist, im BürgerInnenhaus eingerichtet werden. Neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum sind ausschlaggebend für eine positive Zukunft der Dörfer. Mit diesen Ideen als Grundlage soll in St. Aegidi die „Landspinnerei“ entstehen: Einerseits ein Co‐Working-Space mit flexiblen, temporären Arbeitsplätzen, andererseits ein für BürgerInnen nutzbarer Raum, in dem zum Beispiel Lernwerkstätten oder Jugendtreffen abgehalten werden können. Außerdem soll ein Multifunktionssaal mit abtrennbaren Bereichen, der auch von BürgerInnen, von Vereinen usw. genutzt werden kann, Platz finden.

Bürgerbeteiligung schafft Vorteile für alle Beteiligten

Die ersten Prozessergebnisse waren die Vereinsgründung „Landspinnerei St. Aegidi“ und die Abklärung der Rolle der Gemeinde im Projekt. Die Gemeinde wird einerseits als Strukturelement die Vermieterrolle übernehmen und zudem für die Administration (Raummanagement etc.) zuständig sein. Der Verein wiederum ist das wesentliche Sprachrohr nach außen - dazu zählen wesentliche Marketingaufgaben und Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem fungiert er als „Think-tank“, der das Thema „Leben und Arbeiten am Land“ im Rahmen der Landspinnerei und darüber hinaus weiterentwickelt.

„Die ‚Landspinnerei St. Aegidi‘ kann neue Denkräume eröffnen, in denen die Zukunft für den ländlichen Raum entwickelt, ausprobiert und gelebt werden. Die Verknüpfung der verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen, Akteure und potenziellen NutzerInnen ist dabei der wichtige Schlüssel“, zeigt sich die begleitende RMOÖ‐Regionalmanagerin Stefanie Moser von dem Projekt begeistert.

Durch die gemeinsame Planung im Rahmen des Agenda 21-Prozesses konnten die Anforderungen und Bedarfe der Bevölkerung für das neue BürgerInnenhaus optimal beachtet und Synergien bestmöglich erhoben und berücksichtigt werden. Dies zieht wiederum eine nicht unwesentliche Kostenersparnis für die Gemeinde nach sich. Die Nutzung des Erdgeschosses im BürgerInnenhaus und in der Landspinnerei soll auch den Dorfplatz beleben. Im Dezember wurde im Rahmen eines Architekturwettbewerbs das Siegermodell gekürt, der Baubeginn ist noch im Jahr 2020 geplant.