Kinder forsten ein Waldstück wieder auf.

SYSTEMISCHES KONSENSIEREN

Die Gemeinde Munderfing hat als weltweit erste Gemeinde das Prinzip "Systemisches Konsensieren" in die Leitlinien ihrer Gemeindepolitik aufgenommen. In einem Agenda 21-Modellprojekt wurde dazu ein eigenes Bürgerbeteiligungsmodell erarbeitet.
Auswahlkärtchen für den Prozess Systemisches Konsensieren
Systemisch Konsensieren versus Mehrheitsentscheid

Systemisches Konsensieren (kurz: SK-Prinzip) und die dazugehörigen Werkzeuge haben zum Ziel, in einer Gruppe zu einer Entscheidung mit größtmöglicher Tragfähigkeit zu gelangen. Dafür wird der Widerstand gegenüber eingebrachten Vorschlägen ermittelt. Bei einer Stichwahl (nach dem Mehrheitsprinzip) beispielsweise, entscheiden im ungünstigsten Fall 51 % über 49 %. Die „Verlierer“ werden mit dem Ergebnis des Mehrheitsentscheids womöglich nur mit Mühe leben können, geschweige denn mit Begeisterung hinter der Entscheidung stehen. Anders als beim Mehrheitsprinzip, das üblicherweise bei Entscheidungssituationen zum Einsatz kommt, gelangen beim SK-Prinzip nicht jene in der Gruppe an ihr Ziel, die am effektivsten für etwas kämpfen, sondern es werden Kooperation und Gruppenintelligenz aktiviert und gemeinsame Entscheidungen entwickelt. Die Art und Weise des Entscheidungsverfahrens hat somit eine wesentliche Auswirkung auf die Qualität der Entscheidung.

Beim Systemischen Konsensieren wird bei einer Abstimmung von den Beteiligten nicht die Zustimmung, sondern der Grad der Ablehnung einer Idee oder eines Lösungsvorschlags erfragt. Die Idee mit den geringsten Ablehnungswerten kommt einem Konsens am nächsten, an ihr wird weitergearbeitet. In einer oder mehreren Diskussionsrunden wird mit den Teilnehmern über die Gründe der Ablehnung gesprochen und so kann durch konstruktives und kooperatives Verhalten eine noch größere Einigkeit erzielt werden.

Das Munderfinger Bürgerbeteiligungsmodell

In Munderfing hat die „Arbeitsgruppe Entscheidungsfindung“ dieses System in einem gut eineinhalbjährigen Prozess im Rahmen eines innovativen Agenda 21-Modellprojekts für die Anwendung in der Gemeinde aufbereitet. Das SK-Prinzip kommt, neben ersten konsensierten Entscheidungen im Gemeinderat, bei der Beteiligung von BürgerInnen zum Einsatz. Dazu wurden umfassende Richtlinien erarbeitet und im „Munderfinger Bürgerbeteiligungsmodell“ festgehalten.

In Munderfing kann sowohl die Gemeinde Projekte und Themen einbringen, zu denen eine Entscheidung gemeinsam mit BürgerInnen erzielt werden soll. Aber auch BürgerInnen haben die Möglichkeit, Anliegen und Ideen einzubringen. Diese werden vor den Gemeinderatssitzungen von der Amtsleiterin aufbereitet und im Rahmen des Agendapunktes „Bürgerbeteiligungsthemen“ bearbeitet. Dabei wird entschieden, ob die Angelegenheit direkt im Gemeinderat beschlossen werden kann, diese abgelehnt werden muss, einem Ausschuss zur Bearbeitung zugeordnet wird, oder sich mindestens zwei aktive GemeinderätInnen für das Thema bzw. die Idee einsetzen. Wenn diese beiden GemeinderätInnen befinden, dass das Anliegen für einen Bürgerentscheid geeignet und der Aufwand für einen SK-Prozess gerechtfertigt ist, so wird die Arbeitsgruppe zur Entscheidungsfindung einberufen und ein Konsensierungsprozess eingeleitet.

Neben einem ersten Bürgerentscheid im November 2018 zur notwendigen Schließung von Eisenbahnkreuzungen, konnte mit der Methode Systemisches Konsensieren auch im Gemeindevorstand eine rasche Einigung zur Erstellung des Jahresbudgets für 2019 gefunden werden.

Welche Vorteile bringt Systemisches Konsensieren?

Die Methode Systemisches Konsensieren ermöglicht lösungsorientierte und tragfähige Entscheidungen zu vielen eingebrachten Vorschlägen, auch mit einer großen Anzahl von Menschen. Die Methode zeigt Widerstände gegenüber einem Vorschlag auf, die als Basis für bessere Lösungen genutzt werden können. Das Konfliktpotential wird dabei in lösungsorientierte Entscheidungskompetenz transformiert. Negative Folgen von konfliktbehafteten Entscheidungen werden reduziert.

ÖGUT Umweltpreis 2019

Das Projekt wurde im November 2019 mit dem ÖGUT-Umweltpreis in der Kategorie "Partizipation" ausgezeichnet. Neben der Involvierung der BürgerInnen in die Entscheidungsprozesse lobte die Jury vor allem auch den Mut der Gemeinde Munderfing, neue Wege der Entscheidungsfindung zu gehen.

Gemeinde Munderfing